Von Arnold Einholz in der Leonberger Kreiszeitung 2.5.2019

Die Obst- und Gartenbauvereine haben es vorexerziert, die Sportvereine haben nachgezogen. Jetzt gehen auch die Musikvereine den Schritt. Die Stadtkapelle Leonberg und die Lyra Eltingen haben sich gemeinsam auf den Weg in die Zukunft gemacht: Unter dem Namen „Musikverein Lyra Leonberg“.
Um den Neuanfang auch als solchen erkennbar zu machen, ist mit Margarete Berndt eine neue Lyra-Vorsitzende gewählt worden. Ihr Stellvertreter ist Joachim Bürklen. Vorgänger Roland Rössler hat das Amt niedergelegt. Dass eine Frau den Vorsitz antritt, ist in der 122-jährigen Vereinsgeschichte einmalig. Auf dieser in vielerlei Hinsicht historischen Hauptversammlung wurde die neue Satzung beschlossen und damit der neue Name „Musikverein Lyra Leonberg“ festgezurrt. Der gilt mit dem Eintrag im Amtsregister.

Nicht ohne Widerstand
Doch was sich so einfach dahinsagt, ist nicht ohne Widerstand – vor allem in den Reihen des Vereins Stadtkapelle Leonberg – über die Bühne gegangen. „Vor etwa zwei Jahren kamen die ersten Fusionsgedanken auf und es haben lose Gespräche stattgefunden“, erinnern sich Roland Rössler und Wolfram Kienle, der stellvertretende Vorsitzende der Stadtkapelle, im Rückblick. „Es ist ein sensibler Annäherungsprozess gewesen, denn es galt, viele Befindlichkeiten zu beachten“, sagt auch die neue Lyra-Vorsitzende. Die Fusionsausschüsse der beiden Vereine hätten aber harmonisch und zielorientiert diskutiert.
„Der Vorstand und etwa drei Viertel der Mitglieder standen hinter der Idee“, sagt der Vorsitzende der Stadtkapelle, Harald Zeeb. Die Unzufriedenen haben sich vor allem auf der Informationsveranstaltung vor den Jahreshauptversammlungen 2018, auf denen die Mitglieder über die Idee einer möglichen Fusion informiert wurden, zu Wort gemeldet. Vor allem der inzwischen ausgeschiedene Stadtkapellen-Dirigent, Erwin Gutmann, hatte sich zum Sprachrohr der Fusionsgegner gemacht. Die fürchteten den Verlust einer gewachsenen Tradition.

Jugendarbeit nur gemeinsam
„Nach der Jahreshauptversammlung 2018, als viele im Verein erkannt haben, dass wir nur gemeinsam eine funktionierende Jugendarbeit aufbauen können und so die Zukunftsfähigkeit sichern können, lief alles wieder harmonisch“, sagt Kienle. Die inzwischen weit verwirklichte Idee – die Hauptversammlungen beider Vereine haben grünes Licht gegeben – läuft auf eine Zusammenführung auf partnerschaftlicher Basis hinaus, in der sich jeder Verein wiederfinden soll. Dazu gehören ein neuer Vereinsname, ein neues Wappen und eine neue Uniform. Da hat die Stadt großzügige Unterstützung versprochen, allein die neuen Uniformen werden wohl mehrere 10 000 Euro kosten. Aus steuerlichen Gründen wird der Verein, der keinen Grundbesitz hat, aufgelöst. Was in diesem Fall die Stadtkapelle ist, weil der Lyra gemeinsam mit der örtlichen Chorgemeinschaft je zur Hälfte der Eltinger Hof gehört.

Musikverein Lyra Leonberg
Im Februar haben beide Vereine aus 22 Vorschlägen den neuen Namen „Musikverein Lyra Leonberg“ gewählt und in der Lyra-Hauptversammlung, in der die Fusion besiegelt und der Vorstand neu gewählt wurde, bestätigt. Die Stadtkapelle hingegen hat das Liquidationsprozedere beschlossen.
Die Stadtkapelle hat derzeit 125 Mitglieder, die Lyra rund 260. Die umfirmierte Lyra nimmt die Mitglieder der Stadtkapelle auf. Sie erhalten ein Anschreiben, ob sie in den neuen Verein berufen werden können. Wer nicht widerspricht, wird automatisch Mitglied. „Es geht darum, eine funktionierende Jugendarbeit auf die Beine zu stellen“, sagt die Lyra-Vorsitzende Margarete Berndt. Ihr wird auf einer außergewöhnlichen Mitgliederversammlung noch ein Stadtkapellen-Vertreter zur Seite gewählt. Zwar hätten beide Vereine gegenwärtig noch die Qualität für gute Jugendarbeit, aber nicht die Masse, damit beide Vereine überleben können, argumentiert Bürklen.

Abschiedskonzert der Stadtkapelle
Und so sind die beiden Jugendorchester schon seit fast einem Jahr ein einziges, geleitet von Herward Heidinger. Er wird auch die gesamte musikalische Leitung übernehmen. Dann werden immer am Dienstag im Eltinger Hof um 17.30 Uhr die Jugendgruppe, um 18.30 Uhr die Jugendkapelle und um 20 Uhr die Aktiven proben. Der erste gemeinsame Auftritt wird am 21. Juli das Seebühnenkonzert im Stadtpark sein. Davor gilt es noch, am 22. und 23. Juni das Eltinger Straßenfest, die wichtigste Einnahmequelle des Vereins, zu stemmen.