Leonberger Kreiszeitung 6. Mai 2019 – von Viola Eigenbrodt

Leonberg – Auf zu neuen Ufern“ heißt nicht nur das Motto des musikalischen Abends in der Stadthalle, sondern es steht ebenso für die Richtung der Stadtkapelle Leonberg. Die marschiert ab jetzt gemeinsam mit dem Musikverein Lyra aus Eltingen in die künstlerische Zukunft. Bei dem recht emotionalen Frühjahrskonzert mit einer reichen Auswahl zum Teil hochdramatischer Kompositionen werden denn auch einige Märsche gespielt.

Es mag dem wintereinbruchartigen Wetter geschuldet sein, dass sich leider deutlich weniger Zuschauer zusammengefunden haben, als es das Ereignis verdient hätte. Vor den gespitzten Ohren des Oberbürgermeisters Martin Kaufmann und der beiden Bürgermeister Klaus Brenner und Ulrich Vonder­heid zeigt zunächst die Jugend, was sie kann.

Im Sommer 2018 wurde aus den Jugendgruppen und -kapellen der Stadtkapelle und der Lyra Eltingen ein Projekt-orchester gegründet, das seither gemeinsam einige Auftritte bestritten hat. Das Musizieren in einer großen Gruppe macht den Jungen und Mädchen sehr viel Spaß, wie sie dem begeisterten Publikum vorführen. „Die sind irre gut“, meint die Galeristin Birgit Schryvers ganz bezaubert schon nach dem ersten Stück. Wettbewerbsmusik aus der Feder des zeitgenössischen sardischen Komponisten Lorenzo Pusceddu ermöglicht einen heiteren Einstieg in einen Abend, der offenbar eine romantische Verbindung mit Happy End verspricht.

Charmante Moderation
Sehr charmant moderieren zwei Jungen diesen Teil der Veranstaltung und erläutern nicht nur die Auswahl, sondern auch die Inhalte der jeweiligen Stücke und deren Komponisten. Mit viel Herzblut und Engagement zeigen die jungen Musiker, was sie in den vielen Monaten des ausgiebigen Probens – neben der Schule und anderen Verpflichtungen – gelernt haben und nun mit viel Freude weitergeben. Dies wird von üppigem Beifall, Bravo-Rufen und wohlwollendem Pfeifen quittiert.

Ein wenig an Filmmusiken erinnert das Programm gleich zu Beginn, und tatsächlich unterhalten die Musiker ihr Publikum nach einem akustischen Ausflug nach New Orleans mit einem frischen Ragtime, der sofort Assoziationen an Laurel und Hardy, Buster Keaton oder Charlie Chaplin hervorruft, – mit einem schönen Medley sehr bekannter Kinomelodien.

Der Schwerpunkt des Konzerts liegt auf den Darbietungen der Jugend, die sich mit „Yellow Submarine“ verabschiedet und damit deutlich signalisiert, dass alle in einem Boot sitzen.

„Das ist kein Abschied, das ist ein Neuanfang“
So überwiegt die Freude an den neuen Möglichkeiten gegenüber der Wehmut des Abschieds. „Ich freue mich sehr auf den neuen Verein. In einer großen Gruppe macht musizieren einfach mehr Spaß, und schließlich kennen wir uns untereinander schon sehr gut“, erklärt Thilo Keller, der Pressewart. „Das ist kein Abschied, das ist ein Neuanfang“, findet auch Susan Gschwender, die sich bereits auf die nächsten Konzerte freut.

Hoch hinaus will dann die Stadtkapelle mit sämtlichen Spielern, in schönen und fließenden Übergängen präsentieren sie olympischen Geist. Auch wenn es zwischendurch dramatisch wird – ein bisschen Theatralik darf ruhig sein –, bieten die Vereinsmitglieder keine Allerweltsmusik, die bereits abgedroschen in aller Ohren klingt, sondern bemühen sich um ein ausgewogenes Konzert. Abgestimmt auf die Bedürfnisse und Kenntnisse eines Blasorchesters, dabei recht gefühlvoll.

Herbie Hancocks „Watermelon Man“, einer der absoluten Klassiker des Sechziger-Jahre-Jazz und bei weitem keine einfache Komposition, für das Orchester zu arrangieren, zeigt von einem gewissen Stolz. Jörg Weiß und Herward Heidinger verlangen ihren Schützlingen einiges ab und trauen ihnen gleichzeitig auch viel zu. So kann es weitergehen.

Bild: Wolfram Kienle